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Fundamentalkraft

Autorin: Anna Hanus

Schmerz und Anstrengung sind untrennbar mit Sport verbunden. Doch wie nehmen wir diese Empfindungen wahr und welche Auswirkungen haben sie auf unsere Leistung?

In diesem Beitrag erkunden wir die perzeptuelle Wahrnehmung von Schmerz und Anstrengung im Powerlifting.


Was ist perzeptuelle Wahrnehmung? 

Perzeptuelle Wahrnehmung im Sport bezieht sich auf die Art und Weise, wie wir Schmerz, Anstrengung und andere körperliche Empfindungen während des Trainings oder Wettkampfs wahrnehmen und interpretieren.

Während des Sports werden Schmerzreize durch aktivierte Nozizeptoren im Körper wahrgenommen und über elektrische Signale an das Gehirn weitergeleitet (Yam et al., 2018). Dort werden die Schmerzsignale verarbeitet und interpretiert, wobei eine Reihe an individuellen Faktoren die Wahrnehmung dieses Signals beeinflussen (z.B. Schmerztoleranz, emotionaler Zustand, Aufmerksamkeitssteuerung).

Die Wahrnehmung von Anstrengung im Sport, insbesondere in Bezug auf körperliche Ermüdung, ist eine subjektive Erfahrung, die stark beeinflussbar ist. Während des Trainings oder Wettkampfs nehmen Sportler:innen körperliche Signale wie erhöhten Herzschlag, Atemfrequenz, Muskelermüdung und Schweißproduktion wahr, die auf den Grad der Anstrengung hinweisen.

Die subjektive Wahrnehmung der Anstrengung basiert jedoch nicht nur auf den rein körperlichen Empfindungen, sondern wird auch von individuellen Faktoren beeinflusst, wie eine Art subjektiver Filter, der diese Informationen verarbeitet. Dazu gehören die körperliche Fitness, die Trainingserfahrung, sowie psychologische Elemente wie Motivation, Einstellung dem Schmerz gegenüber und soziale Vergleiche (Diotaiuti et al., 2022; Nixon, 1993). Diese Faktoren können die Art und Weise beeinflussen, wie Sportler:innen ihre Anstrengung wahrnehmen und bewerten.


Welchen Einfluss hat perzeptuelle Wahrnehmung auf die sportliche Leistung?

Wie wir Schmerz und Anstrengung wahrnehmen und interpretieren, kann einen direkten Einfluss darauf haben, wie lange wir ein hohes Leistungsniveau aufrechterhalten können. Wenn jemand Schmerz oder Anstrengung als Bedrohung oder Warnsignal interpretiert, dann kann dies zu einer vorzeitigen Erschöpfung führen (Sullivan, Bishop, & Pivik, 1995). Dies kann zu einem vorzeitigen Abbruch der sportlichen Aktivität oder zu einer verringerten Anstrengungsbereitschaft führen, um den empfundenen Schmerz oder die empfundene Anstrengung zu vermeiden.

Die perzeptuelle Wahrnehmung von Schmerz und Anstrengung kann auch die Ermüdungsrate beeinflussen. Empfindet eine Person den Schmerz oder die Anstrengung während des Trainings oder Wettkampfs als übermäßig oder unkontrollierbar, so kann dies zu einer schnelleren aufgabenbezogenen Ermüdung führen (Deroche et al., 2011) . Die psychische Belastung, die mit dieser negativen Wahrnehmung einhergeht, kann körperlich wahrgenommene Erschöpfung beschleunigen und Leistungsfähigkeit einschränken.

Jedoch können Sporttreibende auch lernen, Schmerz und Anstrengung als Teil des sportlichen Prozesses zu akzeptieren, tolerieren und somit ein höheres Durchhaltevermögen zeigen. Merkbar wird dies durch erhöhte Bereitschaft, sich über die wahrgenommene Belastungsgrenze hinauszuarbeiten und die Leistungsfähigkeit zu verbessern. Ihre positive Interpretation der Empfindungen kann dazu beitragen, dass eigene Grenzen überwunden und ihr volles Potenzial ausgeschöpft werden (Morrey, 1997).

Umgekehrt können jene, die eine positive Einstellung gegenüber Schmerz und Anstrengung haben, eine geringere Ermüdungsrate aufweisen. Indem diese Empfindungen als normale Bestandteile des Trainings oder Wettkampfs betrachtet werden und gelernt wird, mit ihnen umzugehen, kann Energie besser genutzt und ihre Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden.


Trainingsstrategien

Es gibt verschiedene bewährte Trainingsstrategien, die darauf abzielen, die perzeptuelle Wahrnehmung von Schmerz und Anstrengung im Sport zu bewältigen. Diese Strategien helfen den Sporttreibenden, ihre Empfindungen zu regulieren und ihre Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Es können mentale Ablenkungstechniken eingesetzt werden, um Aufmerksamkeit von der empfundenen Anstrengung umzulenken (Azevedo & Samulski, 2003; Janssen & Arnts, 1996). Positive Selbstgespräche stärken das Selbstvertrauen und motivieren Sportler:innen, ihre Empfindungen in einem positiven Licht zu sehen. Entspannungstechniken und Visualisierung erfolgreicher Leistungen helfen, Stressreaktionen zu reduzieren und eine positive Einstellung gegenüber Schmerz und Anstrengung zu entwickeln (Syrjala et al., 1995).


Abschlussworte

Indem wir uns bewusst mit unserer Wahrnehmung von Schmerz und Anstrengung im Sport auseinandersetzen, können wir unsere Leistungsfähigkeit und unser Durchhaltevermögen positiv beeinflussen. Die Art und Weise, wie wir diese Empfindungen interpretieren und darauf reagieren, kann den entscheidenden Unterschied ausmachen. Auch wenn die Forschung in diesem Bereich größtenteils aus Ausdauersportarten stammt, so würden wir hier einen eingeschränkten Übertrag auf Krafttraining, insbesondere auf Hypertrophie orientiertes Training sehen. 

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Quellen

Azevedo, D.C., & Samulski, D.M. (2003). Assessment of psychological pain management techniques: A comparative study between athletes and non-athletes. Revista Brasileira de Medicina do Esporte, 9, 214222. doi:10.1590/S1517-86922003000400003

Cano, A., Mayo, A., & Ventimiglia, M. (2006). Coping, pain severity, interference, and disability: The potential mediating and moderating roles of race and education. The Journal of Pain, 7, 459468. doi:10.1016/j.jpain.2006.01.445

Deroche T, Woodman T, Stephan Y et al (2011). Athletes‘ inclination to play through pain: a coping

perspective. Anxiety Stress Coping 24:579–587

Diotaiuti, P., Rodio, A., Corrado, S., Mancone, S., Bellizzi, F., Siqueira, T. C., & Andrade, A. (2022). Perceived Pain in Athletes: A Comparison between Endurance Runners and Powerlifters through a Cold Experimental Stimulation and Two Sessions of Various Physical Activation. Sports (Basel, Switzerland), 10(12), 211. https://doi.org/10.3390/sports10120211

Freund W, Weber F, Billich C et al (2013). Ultra-marathon runners are different: investigations into pain tolerance and personality traits of participants of the TransEurope FootRace 2009. Pain Pract 13:524–532

Janssen SA, Arntz A. Anxiety and pain: attentional and endorphinergic influences. Pain 1996;66:145-50.

Morrey MA. A longitudinal examination of emotional response, cognitive coping and physical recovery among athletes undergoing anterior cruciate ligament reconstructive surgery [dissertation]. Minneapolis: University of Minnesota, 1997.

Syrjala KL, Donaldson GW, Davis MW, Kippes ME, Carr JE. Relaxation and imagery and cognitive-behavioral training reduce pain during cancer treatment: a controlled clinical trial. Pain 1995;63:189-98.

Sullivan, M.J.L., Bishop, S.R., & Pivik, J. (1995). The Pain Catastrophizing Scale: Development and validation. Psychological Assessment, 7, 524532. doi:10.1037/1040- 3590.7.4.524

Yam, M. F., Loh, Y. C., Tan, C. S., Khadijah Adam, S., Abdul Manan, N., & Basir, R. (2018). General Pathways of Pain Sensation and the Major Neurotransmitters Involved in Pain Regulation. International journal of molecular sciences, 19(8), 2164. https://doi.org/10.3390/ijms19082164

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